In die Bresche, 2019/2020

Textile Installation, 10-teilig 9 Kissen (Wand) und eine Weste (im Raum hängend) Acryl, Ölkreide, Textil-Leim auf Baumwolle, Füllwatte

Die weiße Weste, das Synonym für das Unbescholtene, gekoppelt mit den Leumundszeugnissen aus „Entnazifizierungsakten“, aus denen hervorgeht, mit welch einfachen Mitteln sich die Betreffenden aus der Verantwortung stehlen konnten, sind Ausgangspunkte für meine textile Installation.

 

Die neun kleinen, locker gehängten Wandkissen tragen die eidesstattlichen Erklärungen von Freunden und Bekannten der zu entnazifizierenden Personen, kombiniert mit Spiralmustern, die der Klöppeldeckchen-Ästhetik vergangener Zeiten entsprechen, aber mit modernem Kinderspielzeug erstellt sind. Einzelne entlastende Begriffe sind in anderen Schrifttypen hervorgehoben.

 

Die Weste, die in Schulterhöhe im Raum hängt, imaginiert durch ihre körperliche Räumlichkeit die Anwesenheit der Person, die sie trägt, und ist in Auszügen mit Sätzen aus den eidesstattlichen Erklärungen beschrieben.

 

 

“In die Bresche“ ist dabei einerseits ein Begriff, den ich in einem der Leumundszeugnisse gefunden habe und der damit positiv für die betreffende Person stimmt, weil diese sich für andere „in die Bresche“ geschlagen hat. Andererseits machen genau das Diejenigen, die die Leumundszeugnisse ausstellen.

Walters Wehwehchen, 2019

Textilien, Besenhaar, 46 x 46 cm

RADIO ADAGIO, 2019, kleine Rauminstallation (in Kombination mit "Über ein Haus")

Im Jahr 1953 erwarb mein Großvater zum damaligen Preis von 299,- DM das Telefunken Radio Modell Adagio.

Die Rechnung hierfür lag im Ordner für private Ausgaben. Im Juli 1955 musste das Radio repariert werden, da es offenbar heruntergefallen war. Auch hierfür liegt die Rechnung vor.

Das Radio Adagio hat mich seit dem Tod meiner Großmutter im Jahr 1978 in jede Wohnung begleitet und war lange Zeit mein einziges technisches Gerät, um Musik zu hören.

 

Das Foto zeigt meine Großmutter im Sessel neben diesem Radio.

Über ein Haus, 2018, Wandinstallation aus 25 textilen Ziegelsteinen, Dia- oder Beamerprojektion

Acryl und Ölkreide auf Bettwäsche aus dem Engelgarten, Fotografien

Die textile Wandinstallation beruht auf original Dokumenten, die alle mit dem Bau und der Einrichtung des Hauses Engelgarten 42 in Melle/ Niedersachsen zu tun haben.

Für das Haus, das mein Großvater nach Ende des 2. Weltkrieges bauen ließ, organisierte er über mehrere Jahre hinweg Materialien und Dienstleitungen. Anfänglich noch die Dokumente zu Tauschgeschäften jeglicher Art, später die Rechnungen für den ersten Fernseher oder die Genehmigung zum Rundfunkempfang, entstammen alle penibel geführten Büchern, die über mehrere Jahrzehnte bei meinen Eltern im Keller lagerten.

 

 

Zusammen mit den darauf projizierten Fotos aus den Anfängen des Hauses, entsteht ein Zeitdokument, das durch jedes Foto, aber auch durch unterschiedliche Hängepositionen der genähten Ziegelsteine immer wieder verändert werden kann.

Sommermode-Kollektion 2018, Textilien, Siebdruckfarbe

Jedem sein Päcklein (Sorgen/ Entsorgen), 2018, Textilien, diverse Füllmaterialien

...wenn Du das liest, sitzt Du in der Dose, 2017, textile Wandinstallation

diverse Textilien, 54-teilig

Alle guten Wünsche - säuberlich und mit Tintenkiller verbessert.

Sämtliche Einträge aus meinem Poesiealbum von 1976 bis 1979 auf Textilien übertragen und für jeden Spruch ein eigenes kleines Kissen, ergibt sich eine Reise der Erinnerung in biedere Tiefen und kleine Ausbrüche ins Unkonventionelle. Der Titel der Installation ist der zweite Teil meines Lieblings-Spruchs von Ralf K.: Ringel, Rangel, Rose, wenn du das liest, sitzt du in der Dose (mit dem Zusatz: du musst immer fröhlich sein).

Installation im BartnikProjectRoom 2019, in Kombination mit den Poesiealben meiner Großmutter, meiner Mutter, meiner Tochter und von mir.

Schuldberg, 2017, textile Wand-Boden-Installation

Die Installation „Schuldberg“ ist komplett aus recycelten Materialien gefertigt. Die Objekte wurden aus alten Bettwäschen genäht und tragen in Anlehnung an die Monogramme, mit denen früher die Aussteuer versehen wurde, rote Stickereien, die auf die Sexualmoral religiöser Glaubensgemeinschaften anspielen. Die Kissen und der Rucksack sind mit textilen Abfällen und gebrauchten Füllmaterialien befüllt.

Wimpel der Gewalt, 2016/ 2017, diverse Textilien

An einer Wäscheleine hängen weiße Stoffwimpel, wie zum trocknen aufgehängte Wäschestücke. Sie tragen in unvollständiger Chronik Daten von Gewalttaten (Anschlägen, Amokläufen). Pflaster versuchen notdürftig die Wunden zu verdecken.

 

 

Foto: Angela von Brill

3 Kopfkissen: Zöpfchen, Julius, Brainman, 2009, Acryl / Mischtechnik auf handgewebtem Leinen